Bertelsmann: Was bedeutet in unserer Gesellschaft Armut?
05.08.2020 12:02
von Patricia Arndt

Bertelsmann: Unbearbeitete Großbaustelle Kinderarmut

Mönchengladbach / Gütersloh: Die Bertelsmann-Stiftung hat sich systematisch mit dem Thema Kinderarmut in Deutschland beschäftigt. Im Juli hat sie ihre Studie „Eine unbearbeitete Großbaustelle“ veröffentlicht. Die WissenschaftlerInnen verweisen gleich zu Beginn darauf, dass sich der Begriff „Armut“ in Deutschland am allgemeinen Lebensstandard orientiert. Von wie vielen Chancen und von welchen als „Standard“ anerkannten Lebensmöglichkeiten ist ein Kind ausgeschlossen? Nach diesem Maßstab wächst in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut auf. Laut Bertelsmann-Studie hat sich dieses hohe Niveau an Kinderarmut nicht durch die gute wirtschaftliche Entwicklung mindern lassen und muss deshalb als „strukturell“ angesehen werden.


Die Studie beschreibt, welche langfristigen Folgen Kinderarmut im Sinne eines Ausschlusses vom allgemeinen Lebensstandard für die Entwicklung haben kann. Dazu zählen Bildungschancen, Zugang zu Hobbies und der Entwicklung eigener Fähigkeiten, dem Zugang zu gesunden Lebensmitteln, einem Gefühl der ökonomischen Sicherheit sowie gängigen Freizeitvergnügen. Detailreich und konkret veranschaulichen die Macher, was armen Kinder nicht zur Verfügung steht. Der Mangel bedeutet etwa das Fehlen eines ruhigen Arbeitsplatzes, einer trockenen Wohnung, intakter Kleidung oder der unerreichbaren Erfahrung von sorgenfreier Erholung oder Urlaub. Die Studie fordert politische Anstrengungen, damit strukturelle Benachteiligung abgebaut und von Armut betroffenen Kindern staatlicherseits bewusst Anreize geboten und Möglichkeiten eröffnet werden.


„In unserer Gesellschaft gibt es Entwicklungen, die die Entscheidung für Kinder zu einem Armutsrisiko machen. Dass bereits viele Familien das dritte Kind nicht wagen, weil sie Angst vor eigener Armut haben oder befürchten, den Kindern nicht genug bieten zu können, sollte uns wirklich besorgen. Diese Sorgen pauschal als kleinlich abzutun, geht am Problem unserer Gesellschaft vorbei“, so Dr. Elisabeth Müller, Bundesvorsitzende des Verbandes kinderreicher Familien.

Hier geht es zur Studie: 

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