KRFD-Digitalgespräch: Mit Mimikama den Fake News auf der Spur
05.11.2020 13:42
von Patricia Arndt

Mit Mimikama den Fake News auf der Spur

„Warum fällt man eigentlich auf Fake News so leicht herein?“- Diese und weitere Fragen brachten die 30 TeilnehmerInnen mit ins digitale KRFD-Fachgespräch zum Thema „Fake News“ am Mittwoch, 4. November 2020. Antworten darauf erhielten sie von Andre Wolf, Medienexperte von Mimikama e.V. Die Initiative geht Hinweisen auf Fake News von Nutzern nach und recherchiert die Herkunft von Bildern und die Stimmigkeit von Zahlen und Fakten. Mittlerweise wird Mimikama von etwa einer Million Menschen genutzt, die Angaben aus den sozialen Netzwerken auf den Grund gehen wollen.


Gleich zu Beginn erklärte Wolf anschaulich, worin die Eigenart sozialer Netzwerke besteht. Bei Facebook, Instagram und Twitter sind alle Menschen zugleich Autoren und können ungehindert und direkt Aussagen in die Öffentlichkeit bringen. „Wer sich in sozialen Medien äußert, erhält sofort Resonanz“, erklärte Wolf, „das ist in den klassischen Medien sehr viel weniger. Ein paar Leserbriefe lassen sich nicht mit tausend Likes vergleichen“. Mit Likes, geteilten Tweeds und Followern erhalten die Nutzer direktes Feedback, was sie in ihrem Tun bestärke und die Reichweite von Veröffentlichtem vervielfache. Über die jedermann zugänglichen Plattformen könne das Publikum direkt angesprochen werden. Keiner müsse sich vorher mit Kollegen oder Experten abstimmen. Das unterscheide die sozialen Medien von klassischen Medien wie Zeitungen, Radio oder Fernsehen, wo Nachrichten von ausgebildeten Journalisten verfasst und von einer Redaktion kritisch und kollegial gegenprüft würden.

Wie funktionieren Fake News?

„Fake News sind in dieser Masse erst vor etwa vier Jahren aufgekommen“, so Wolf, und müssten von fehlerhaftem Journalismus, der „eben nicht vorsätzlich passiere“, deutlich unterschieden werden. Fake News seien bewusste Falschmeldungen und zugespitzte Inszenierungen, die Emotionen verstärken sollen.

Schon länger bekannt seien hingegen sogenannte Kettenbriefe, die sich im Internet schnell verteilen. Wolf benannte dafür die Warnung vor der Gruselfigur „Momo“, die in Kindersendungen auftauche und Kinder zu suizidalen Handlungen anstifte. Ähnlich sei es mit den sogenannten „Horror-Clowns“ gewesen, die es nie gegeben hätte. Auffällig sei bei beiden Grusel-Figuren die übereinstimmende Aufforderung, die Kinder zur Selbstverletzung zu verleiten.

Gefragt nach den Gründen, weshalb Menschen jeden Bildungsgrades Fake News Glauben schenken, nannte Wolf die persönliche Betroffenheit als häufig ausschlaggebend. Gerade die aktuelle Corona-Zeit betreffe viele Menschen unmittelbar, weshalb es ein verständliches Bedürfnis nach Klärung und Verbindlichkeit gebe.

Wolf zeigte auf, wie dynamisch sich die Fake News seit Beginn der Pandemie entwickelt hätten. Beginnend mit sogenannten „alternativen Meinungen“ von Experten, die den „herrschenden Experten“ widersprachen, hätten sich Verschwörungstheorien verstärkt. Sie nehmen oft in vielen Kulturen verankerte Legenden auf, knüpften an Feindbilder an und brächten die oft widersprüchliche Wirklichkeit in eine schlüssige Erzählung. Dabei konzentrieren sie sich auf einen Gegner, dem sie stückchenweise menschliche Eigenschaften – etwa durch Bildmontage – absprächen, um ihn umso geringschätziger behandeln zu können. Schließlich könnten Menschen sich unter diesem Einfluss radikalisieren.

Viel Input, harte Kost und viele Fragen

Gelegentlich schaute André Wolf sorgenvoll auf die Uhr, denn er mutete den Teilnehmenden viel zu. Doch die vielen Fragen machten klar, dass er den Nerv vieler Eltern genau traf: Wie trifft man den richtigen Ton bei Jugendlichen? Wie spricht man Freunde oder Kollegen an, die augenfällig häufig Posts teilen, die wenig glaubwürdig erscheinen? Wie kann man empathisch bleiben, wenn nahe stehende Menschen sich in eine hasserfüllte Umgebung verstricken?


Bei seinen Antworten dürfte Andre Wolf wohl mit einer Feststellung viele Eltern verblüfft und auch beruhigt haben „Wir haben über die Jahre festgestellt, dass Jugendliche viel sensibler mit Fake News umgehen und sie weit weniger leichtgläubig sind, als man meinen mag. Sie wachsen damit auf und rechnen mit Fake News, entsprechend gelassen reagieren sie darauf“, so Wolf.

 

Info:
→ Wer Interesse hat, der Whatsapp-Gruppe „Digital-Fachgespräche“ beizutreten, wende sich bitte mit seinen Kontaktdaten an geschaeftsstelle@kinderreiche-familien.de


→ Buchtipp: Romy Jaster / David Lanius: Die Wahrheit schafft sich ab. Wie Fake News Politik machen. Reclam Verlag, Ditzingen 2019

→ Mimikama: https://www.mimikama.at/

 

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