KRFD vor Ort: Neues Bertelsmann-Konzept gegen Kinderarmut
12.07.2018 16:05
von Florian Brich

KRFD vor Ort: Neues Bertelsmann-Konzept gegen Kinderarmut

Kinder im Bertelsmann-Boot: Diesmal steht das „Absicherungssegel“ im Mittelpunkt.

Wir waren zu Gast bei der Vorstellung eines neuen Konzeptes der Bertelsmann-Stiftung gegen Kinderarmut.   

Unter der Fragestellung „Was brauchen Kinder und Jugendliche?“ hat die Bertelsmann-Stiftung am 5. Juli in Berlin ein neues „Konzept für eine Teilhabe gewährleistende Existenzsicherung für Kinder und Jugendliche“ ausführlich vorgestellt. Die KRFD Bundesvorsitzende Elisabeth Müller und das Vorstandsmitglied Katharina Spieth waren vor Ort, lauschten den Vorträgen von Wissenschaftlern sowie der sich anschließenden Diskussion, an der auch Familienministerin Dr. Franziska Giffey teilnahm. Das erste Fazit der KRFD-Abordnung: Die Vorschläge sind diskussionswürdig.

Die Suche nach neuen Wegen
Laut Bertelsmann-Stiftung wachsen derzeit circa 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland in einer Familie auf, die Hartz IV bezieht oder armutsgefährdet lebt. Diese Kinder haben schlechtere Zukunftsperspektiven, zumal viele Einzelförderungsmöglichkeiten von den betroffenen Familien aus Scham oder wegen der Komplexität der Antragsstellung nicht abgerufen werden.  Ausgehend von dieser Situation schlägt die Bertelsmann-Stiftung drei Bausteine einer neuen Existenzsicherung (kontinuierliche Bedarfserhebung, Teilhabegeld und unbürokratisches Unterstützungssystem) vor. Diese Ideen wurden im Rahmen der Veranstaltung konkreter erläutert.

Was spricht für das Teilhabegeld? Was dagegen?
An der  Präsentation zum Teilhabegeld und den weiteren Aspekten des Konzeptes wirkten viele uns bekannte Wissenschaftler mit - so unter anderem Prof. Dr. Christian Seiler, der Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des KRFD ist. Entscheidend an der Idee des Teilhabegeldes ist, dass dieses alle bisherigen Förderungen/Leistungen ersetzt und den Familien/Kinder/Jugendlichen gemäß ihren ermittelten Bedarfen zustehen soll. Weder zur Höhe der Pro-Kopf-Förderung noch zur Finanzierung gab es schon belastbare Aussagen. Deutlich wurde allerdings, dass auch bei Einführung eines solchen Teilhabegeldes die Kinderfreibeträge unangetastet bleiben sollen. Nach einer ersten Einschätzung unseres Verbandes läge der Vorteil der vorgeschlagenen Lösung darin, dass das Geld direkt die betroffenen Familien erreichte und der Verwaltungskostenanteil, der im bisherigen System circa. 20-30 Prozent ausmacht, entfiele. Allerdings sieht das Konzept derzeit keine Kontrollmechanismen vor, die sicherstellen, dass das Geld auch wirklich den betroffenen Kindern und Jugendlichen zugutekommt. 

Präsens und Futur
Allen Teilnehmern dieser Bertelsmann-Veranstaltung wurde sicher bewußt, dass die Armutszahlen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland eine große Not sind. Daher darf es auch keine Denkverbote geben. Gleichzeitig gibt es aber auch einen Boden der Realität, der nicht einfach verlassen werden kann. So reagierte die Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey beispielsweise ganz natürlich auf offenbar noch nicht durchdachte Verteilungsmechanismen des Konzeptes. Sie betonte ferner, dass aus Ihrer Sicht vor allem Bildung der Verstetigung von Armut entgegenwirken kann. Elf Prozent der Jugendlichen verlassen die Schule ohne Abschluss. Diese gelte es zuerst aufzufangen. Das korreliert mit den Eindrücken unserer Teilnehmerinnen. Verbesserungen müssen zunächst da umgesetzt werden, wo diese möglich und wirksam sind. Und größere Umwälzungen für die Zukunft müssen möglich sein.  Eine solche Möglichkeit zu umschreiben – darin liegt der Verdienst der Bertelsmann-Stiftung. Und für unseren Verband bleibt der Auftrag, die Analyse dieser Möglichkeiten gerade aus Sicht kinderreicher Familien zu unterstützen.

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