Schneider: "Dritte Kinder sind selten geworden"
30.06.2019 00:04
von Patricia Arndt

Auslaufmodell oder Zukunftsentwurf?

Mönchengladbach/ Berlin: Die Studie „Kinderreiche Familien in Deutschland. Auslaufmodell oder Lebensentwurf für die Zukunft“ hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) am Mittwoch, 26. Juni 2019, in Berlin auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Erstmalig wurde die Verteilung kinderreicher Familien auf die Kreise in Deutschland erarbeitet. Vor Vertretern des Ministeriums für Familie, des Ministeriums für Finanzen und Fachjournalisten präsentierten Prof. Dr. Norbert Schneider, Direktor des BIB, und Dr. Martin Bujard, die Studie. Die Gelegenheit für direkte Fragen an die Experten nahm für den KRFD Dr. Patricia Arndt, Referentin des Vorstandes, wahr.

„Dritte Kinder sind selten geworden“, fasste Prof. Dr. Norbert F. Schneider zusammen und verwies auf einen „markanten Rückgang beim Anteil kinderreicher Familien“, der mit 68 Prozent maßgeblich für den Geburtenrückgang in Deutschland verantwortlich sei. Dagegen schlage dauerhafte Kinderlosigkeit mit nur 28 Prozent zu Buche. Den landläufigen Vorurteilen entgegen steht die Antwort auf die Frage, wer in Deutschland kinderreich sei: „Kinderreichtum heute ist ein Phänomen der besser gebildeten Frau“, erklärte Schneider die Tatsache, dass fast drei Viertel der Mütter von Mehrkindfamilien eine mittlere oder hohe Bildung aufweisen. „Kinderreichtum ist ein Phänomen der Mittelschicht“, stellt die Studie fest.

Wer die Entscheidung für das dritte Kind ernsthaft unterstützen will, müsse eine „Zeit- und Infrastrukturpolitik“ betreiben, zu der auch die Schaffung von geeignetem Wohnraum gehöre.„Gerade im Hinblick auf ihr demografisches Gewicht und die große Zahl an Menschen, die als Eltern und als Kinder in Mehrkindfamilien leben, muss diese Nichtbeachtung überwunden werden“, sagt Dr. Elisabeth Müller, Bundesvorsitzende des KRFD. Das bestätigen auch die Forscher mit ihrer Feststellung, wonach die Bedeutung kinderreicher Familien „für die Erziehung und Vermittlung von Werten für die nächste Generation sowie für die demografische Nachhaltigkeit“ „erhebliche Bedeutung“ habe und zugleich in „erheblichem Kontrast zu ihrem Stellenwert in Politik und Gesellschaft“ stehe.

Enorme Unterschiede gebe es in der Verteilung der kinderreichen Familien in Deutschland. Im Westen Niedersachsens, im Norden Nordrhein-Westfalens, im Allgäu und mehreren Regionen Baden Württembergs ist Kinderreichtum relativ weit verbreitet und liege bei 20 bis 25 Prozent. In Südthüringen, Ostbrandenburg und Sachsen-Anhalt liege der Anteil mit 7 bis 10 Prozent sehr niedrig. Nach den vorliegenden Befunden seien es nicht ausschließlich materielle Lebensumstände, sondern müssten im Zusammenhang mit kulturellen Mustern und regionaler Infrastruktur gesehen werden. „Besonders selten anzutreffen“ seien kinderreiche Familien dort, „wo große Wohnungen fehlen“, stellen die Forscher fest.
Hinsichtlich der familienpolitischen Ausrichtung kommen die Forscher zu dem Schluss, dass in Deutschland Kinderreichtum „nicht gezielt gefördert und Kinderreiche nicht in besonderer Weise unterstützt“ würden.
Schubert und Bujard verwiesen bei ihrer Präsentation in Berlin darauf, dass es bei der Erforschung von Kinderreichtum Hindernisse bei der Datenerhebung gebe, die auch dazu führten, dass dieses Familienmodell bislang kaum systematisch erforscht worden sei.

 

Anmerkung: Es gab ein enormes mediales Echo auf die Studie des BIB. Der KRFD verfolgt und teilt die Berichterstattung über seinen FB-Account.

Die Studie im Detail finden Sie hier

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