Thema Wohnen - Bundesforum beginnt Arbeit an nächster Themenperiode
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11.03.2020 10:27
von Patricia Arndt

Grundstein des Familienfriedens oder Achillesferse des Familienlebens?

 

Mönchengladbach / Berlin: Die nächste Arbeitsperiode des Bundesforums Familie widmet sich den Themen „Familien, Wohnen und Kommunale Infrastruktur“. Auf dem Netzwerktreffen am 2. März 2020 in Berlin gaben die Vorträge von Uwe Lübking vom Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie Volkswirtschaftlerin Dr. Christina Boll vom Deutschen Jugendinstitut die entscheidenden Impulse.

Unter der Überschrift „Familien und kommunale Infrastruktur“ erläuterte Lübking die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich zuerste in den Kommunen als konkrete Herausforderungen darstellen. Damit die Kommunen ihre Einrichtungen auf die veränderten Bedarfe ausrichten und auf Entwicklungen zeitig reagieren könnten, müssten Einwohnerzahl und Wanderungsbewegungen kontinuierlich beobachtet werden. Lübking regte an, die Kommunen mehr unter dem Begriff des „Quartiers“ zu verstehen und damit alle Lebenszusammenhänge der Bewohner zusammen zu denken. Die Kommune müsse sich auf ihre Kernkompetenzen – medizinische Versorgung, Verkehr und Kita / Schule – besinnen. „Wer in Zusammenhängen denkt, der kann der Zersplitterung der kommunalen Gesellschaft besser vorbeugen“, zeigte er sich überzeugt. Lübking vertrat klare Standpunkte beim Thema Wohnen. So sei der Verkauf von Wohnungsbaugesellschaften zur Entschuldung von Kommunen ein schwerer Fehler gewesen. Er plädierte dafür, den Genossenschaftsgedanken zu stärken und den Baugrund nicht der Spekulation auszusetzen. Leerstellen und sanierungsbedürftige Häuser dürften nicht vorsätzlich dem Verfall preisgegeben werden. Bei der Gestaltung des Wohngeldes müssten familiäre Bindungen mitgedacht werden.

Einhellig war das positive Feedback auch beim Grundlagenvortrag von Dr. Christina Boll vom Deutschen Jugendinstitut. Sie erläuterte die Zusammenhänge auf dem Wohnungsmarkt. Für die besonders für Familien angespannte Situation machte sie folgende Faktoren verantwortlich: brach liegendes Bauland; lange Baugenehmigungsverfahren, lange Erstellungszeiträume sowie den Rückgang des sozialen Wohnungsbaus. Gerade um die Jahrtausendwende gab es einen starken Trend zur Privatisierung. Die sogenannte Gentrifizierung, also die baulichee Aufwertung eines Stadtteils durch hochwertige Sanierung, verstärke den Druck auf Mieter, die die systematische Verteuerung der Viertel nicht mitgehen können und aus ihrem Wohnumfeld gedrängt werden. Bei den Familien kämen Faktoren zusammen, die sie auf dem privatisierten Wohnungsmarkt, erst recht in einer Niedrigzinsphase, im Wettbewerb benachteiligen.

Durchschnittlich müssten Familien etwa 45 Prozent ihres Haushaltseinkommens allein für die Miete aufbringen.

Boll wies jedoch darauf hin, dass die derzeitige Situation auf dem Wohnungsmarkt, obgleich sie sich für viele Familien als schwierig gestaltet, nicht einem Marktversagen geschuldet sei. „Der Markt bildet Angebot und Nachfrage ab und reagiert auf die aktuellen Entwicklungen. Derzeit gibt es eine ausgesprochen hohe Nachfrage, dem ein kleines Angebot gegenübersteht“, erläuterte Boll. „Viele Menschen wollen in der Stadt wohnen, doch das städtische Wohnangebot ist begrenzt und die Speckgürtel noch ungenügend erschlossen“, führte sie aus. Boll beließ es nicht bei der Analyse, sondern skizzierte Auswege und zeigte, wo intensiviert geforscht und gearbeitet werden müsse. So seien Stadtplaner und Architekten gefordert, neue Konzepte für gemeinschaftliches Wohnen konzeptuell und baulich umzusetzen. Der konkrete Alltag in Familien und die dafür notwendige Ausstattung des Wohnraumes müsse bewusst bedacht werden. „Bei der Analyse müssen wir uns auch darüber klar werden, dass sich der individuelle Raumbedarf in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht hat“, so Boll. Hinzu käme, dass deutlich mehr Menschen allein wohnten, als es jemals vorher der Fall gewesen sei. Auf Ebene der Kommunen solle Bauland bewusster wahrgenommen und im Hinblick auf Familien investiert werden.

Die nächsten zwei Jahre widmet sich das Bundesforum Familien, dem Thema Wohnen. In ihrem Grußwort verwies Sabine Zimmermann, Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, auf die Bedeutung des insgesamt 120 gesellschaftliche Organisationen umfassenden Gremiums. Für den KRFD nahmen Bundesvorsitzende Dr. Elisabeth Müller und Vorstandsreferentin Dr. Patricia Arndt teil. Arndt wird für den KRFD intensiv in einer Arbeitsgruppe des Bundesforums mitarbeiten. „Das Thema Wohnen betrifft alle Familien – ob Mehrkindfamilie, Kleinfamilien, Alleinerziehende - und es betrifft Stadt und Land. Deshalb ist es wichtig, dass Familie wieder mitgedacht wird – erst recht beim Thema Wohnen. Sicheres und gutes Wohnen gehört zum Fundament jeden Familienlebens. Und das Fundament sollte die Familie halten und nicht ständig ins Wanken geraten“, so Müller.

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