Interview Angela Breitkopf

Interview mit Angela Breitkopf zu ihrem Schlafbuch „Mama schläft jetzt durch“

Daniela Nagel ist langjähriges Verbandsmitglied, stellvertretende Landesvorsitzende in NRW und Buchautorin (u.a. von „Fünf Kinder? Sie Ärmste – Ein Survivalguide für gelassene Mehrfachmütter“). In letzterer Eigenschaft hat sie ein lockeres Interview mit der Autorin Angela Breitkopf über deren Buch „Mama schläft jetzt durch – So überstehen Sie die ersten 500 Nächte mit Baby und bringen es zum Durchschlafen“ geführt. Das ausführliche Gespräch enthält nicht nur interessante Tipps, sondern lebt auch von dem herzlich-frischen Wortwechsel der beiden Teilnehmerinnen.

Autorin Angela Breitkopf

Daniela Nagel: Liebe Angela, gehört das Thema Schlafen für Dich zu den aufreibenden Aspekten des Mutterseins?

Angela Breitkopf: Zumindest in den ersten fünf Jahren hat mich der Schlafmangel schon viel Kraft gekostet. Seit zwei Jahren geht es besser – und ich staune, wie viel Energie ich auf einmal habe.

Daniela Nagel: Wenn es Probleme beim Schlafen gab, bist Du intuitiv damit umgegangen oder hast du Deinen journalistischen Spürsinn eingesetzt, um die Mechanismen des kindlichen Schlafes zu erforschen?

Angela Breitkopf: Ich bin, wie Du schon sagst, Journalistin. Und wenn mich ein Thema packt, dann will ich alles wissen. Das ist so eine Art Berufskrankheit. Ich habe also eine Menge Bücher zum Thema gelesen, mit Experten gesprochen und zahlreiche Mehrfachmütter interviewt. Die Ergebnisse dieser Recherche habe ich irgendwann aufgeschrieben – so entstand „Mama schläft durch“.

Daniela Nagel: Hast Du das Gefühl, dass das Abendprogramm mit jedem Kind einfacher wird oder stellt jedes Kind einfach nur eine andere Herausforderung dar?

Angela Breitkopf: Das Abendprogramm wurde zumindest bei uns mit jedem Kind einfacher. Weil wir sehr enge Altersabstände haben, gehen alle zur gleichen Zeit ins Bett, das hilft natürlich sehr. Unser Standardprogramm - also Zähneputzen, Waschen, Nachtzeug an, Vorlesen, Gutenachtküsse, Licht aus, Ermahnen, Licht noch mal aus, Ermahnen, jetzt aber wirklich!, alle schlafen - dauert etwa eine Stunde. Ein guter Schnitt, find ich. Kurz nach Acht habe ich in der Regel Feierabend. 

Daniela Nagel: Gab es Abende oder Nächte, an denen Du einer guten Fee alles versprochen hättest, um mal eine Nacht durchzuschlafen?

Angela Breitkopf: Es gab Abende und Nächte, da hätte ich die „gute Fee“, die mich mit drei Kindern in vier Jahren beschenkt hat, zum Mond schießen können. ;-) Im Ernst: Natürlich war ich oft verzweifelt.

Daniela Nagel: Das beruhigt mich ;-). Ich gehe mal davon aus, dass Du jedes gängige Buch zum Thema Schlafen kennst – Was sind die Gründe, warum all diese Ratgeber nicht wirklich mütterfreundlich sind?

Angela Breitkopf: Es gibt auch gute Babyschlaf-Bücher, z.B. „Schlafen statt Schreien“ von Elizabeth Pantley. Viele Ratgeber landen allerdings entweder bei einer Variante des unguten, alten Schreienlassens - oder die Mütter bekommen auf 200 schön getexteten Seiten sinngemäß gesagt: 'Jammer' nicht und hoffe, dass Dein Baby irgendwann besser schläft. Denn mehr kannst Du nicht tun.' Genau das sehe ich anders: Man kann etwas tun, es gibt da schon ein paar Tricks. Und ja, auch ohne Schreienlassen. Denn ich bestehe darauf: Auch Mütter haben ein Recht auf Schlaf. 

Daniela Nagel: Ein Recht, das man sich als Mutter selbst auch erst einmal zugestehen muss – das gelingt mir selbst nach fünf Kindern nicht immer zu 100%. Aber wie trägt der Rest der Gesellschaft dazu bei, dass bei vielen Müttern nicht nur die Ringe unter den Augen dunkler werden, sondern auch noch die Stimmung in den Keller sinkt, wenn es um das Thema Schlafen geht?

Angela Breitkopf: Ach, die ganze Babyzeit wird mit einer irrsinnigen Glückserwartung und jeder Menge Zuckerguss überfrachtet. Von den Schattenseiten des Alltags mit einem Säugling – der Erschöpfung, der Fremdbestimmung, den Ängsten, der Langeweile – will die Gesellschaft aber nichts wissen, das zeigt auch die Debatte um #regrettingmotherhood. Mütter haben glücklich zu sein und Augenringe sind Privatsache, basta. Daher fühlen sich viele Mütter beim Thema Schlafen zu Recht mutterseelenallein gelassen.

Daniela Nagel: Und warum ist Dein Buch anders als alle bisherigen Schlafbücher?

Angela Breitkopf: Der Verlag bewirbt es mit dem Slogan „das erste mütterfreundliche Babyschlafbuch“ und das find ich ganz passend – denn mir geht es vor allem um die Mütter. Mir war zudem wichtig, das mein Buch handfeste Tipps und Strategien bietet, kein Wellness-Blabla wie „Tu Dir gut: Nimm ein Bad und zünd 'ne Duftkerze an“.

Daniela Nagel: Schon der Titel zeigt, dass der Fokus auf dem Wohl der Mutter liegt. Rein theoretisch weiß jede Mutter, dass ihr Kind nichts davon hat, wenn sie mit den Kräften am Ende ist, warum fällt es so vielen Müttern trotzdem so schwer, erst mal an sich zu denken?

 

Angela Breitkopf: Wegen der Liebe natürlich! Und weil es auch einfach verdammt schwer ist, die Balance zwischen den Bedürfnissen seines Kindes und seinen eigenen zu finden. Ich weiß bis heute nicht genau, ob ich das gut hinbekomme – und das wird sich für den Rest meines Lebens wohl auch nicht mehr ändern. Aber das macht nichts: Leben mit Kindern ist eh' meist so ein Durchwurschteln, oder nicht?

Daniela Nagel: Da hast Du Recht – positiv gesehen schult es unsere Flexibilität. Was ist denn Dein Trost an alle Mütter, die gerade am abendlichen Schlafritual verzweifeln?

Angela Breitkopf: Was mir hilft, wenn ich so richtig entnervt bin, ist Folgendes: Ich male mir aus, wie meine Töchter und mein Sohn selbst ganz viele Kinder bekommen – schlaflose Nächte inklusive. Klingt gehässig, ist aber eher eine Win-Win-Win-Lösung: Ich bin dann endlich Oma und bekomme viele Enkelchen, eins süßer als das andere. Die Enkel wiederum bekommen großartige Eltern. Und diese Eltern haben dann nicht nur das unbeschreibliche Glück, mit Kindern zu leben – sondern auch ihre Portion Schlafmangel. 

Daniela Nagel: Und wie sieht es mit der Rolle der Väter beim Ein- und Durchschlafen aus? Wie sind Deine persönlichen Erfahrungen und was das Fazit aus Deinen Nachforschungen als Autorin?

Angela Breitkopf: Es gibt sicher Väter, die auch nachts für ihr Kind aufstehen – und diesen will ich nicht Unrecht tun. Doch ich habe da diese  GEWIS-Studie von 2010 gefunden, die sich mit meiner eigenen Beobachtung deckt – und mit dem, was mir viele Mütter im Interview erzählt haben. Laut dieser Studie dauert es im Schnitt 12,7 Minuten, bis ein schlafender Vater nachts das Weinen seines Babys hört. Bei der Mutter des gleichen Babys dauert es dagegen nur 4,8 Minuten. Und dann? Wer „schläft schlechter“ und steht auf? Also, es gibt sicher Mütter, die dann cool die fast acht Minuten Differenz abwarten, bis auch der Vater wach wird und zu seinem (inzwischen sicher brüllenden) Baby schlurft – aber ich wage die Behauptung, das sind nicht so viele.

Daniela Nagel: Verrätst Du abschließend Deine drei Lieblingstricks zum Thema Schlafen?

Angela Breitkopf: Wenn es um Kinder geht, ist das mit Tipps ja so eine Sache: Auch der allerbeste Babyschlaftrick kann klappen, muss aber nicht. Weil wir Menschen eben Individuen sind. Aber wenn ich drei generelle Tipps geben soll, bitte, hier sind sie:

  1. mach' wenig (wenig Programm, wenig Einschlafhilfen, wenig Getöse generell)
  2. mach' locker (lass deine Ängste los, erwarte nichts, delegiere so viel wie möglich)
  3. mach' weiter (gib nicht auf, kämpfe für Dich und Deinen Schlaf)

Daniela Nagel: Glaubst Du, kinderreiche Mütter sind insgesamt entspannter beim Thema und wenn ja, warum? 

Angela Breitkopf: Ich bin immer noch überrascht, wenn man mich mit drei Kindern als „kinderreich“ bezeichnet. Gerade in meinem Umfeld – ich lebe in einer Kleinstadt bei Bonn – gibt es viele Eltern mit drei, vier, fünf Kindern, so dass ich unsere Familie als eher mittelgroß wahrnehme. Ob kinderreiche Mütter in Sachen Schlaf „cooler“ sind als andere? Ich weiß nicht. Auf der einen Seite wächst natürlich die Erfahrung und das Bewusstsein, wie schnell die ersten Jahre ohne Schlaf vorbei sind. Andererseits summieren sich diese Jahre ja doch irgendwie auf und wir Mütter werden älter, und müder, und mit jedem Kind auch ein wenig mürber, oder?

Daniela Nagel: Mmmhh, gute Frage, liebe Angela, ich sage mir immer, dass ich mit „nur“ einem oder zwei Kindern genauso alt wäre, wie ich jetzt mit fünf Kindern bin und deshalb auch nicht „fertiger“. Andererseits haben sich bei mir rund 15 Jahre, in denen ich selten wirklich lange Durchschlafphasen hatte, schon summiert.

Trotzdem würde ich sagen, dass die intensiven Phasen mit Schlafdefiziten im Nachhinein sehr schnell herumgegangen sind – es besteht also Hoffnung für jede Mutter.

Dir liebe Angela auf jeden Fall vielen Dank für das Interview. Ich wünsche Deinem Buch ganz viele Leserinnen und allen Müttern jede Menge erholsame Nächte!



Das Buch „Mama schläft jetzt durch“ von Angela Breitkopf ist beispielsweise bei hier erhältlich.

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