Interview mit Suhair Zeidan
Suhair Zeidan im Kreise ihrer Kinder: Mit starkem Willen zum Erfolg.

Die Vereinbarkeits-Ermutigung

Wie schaffen es Mütter und Väter mit drei und mehr Kindern Familienleben und Berufsleben so zu vereinbaren, dass sie und ihre Kinder glücklich damit sind?

Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird viel und heiß diskutiert. Dabei wird es DIE Antwort, das Patentrezept sicher nicht geben. Menschen sind verschieden, Situationen und Rahmenbedingungen sind verschieden und deswegen müssen auch die Antworten und Lösungen, wie wir Familie- und Berufsleben vereinbaren können, verschiedene sein.

Wir möchten Euch an dieser Stelle Einblicke in die unterschiedlichen Lösungen und Antworten geben, die Eltern für sich gefunden haben. Es geht hier nicht darum, ob ich viel oder wenig arbeite, ob ich studiert habe oder in einem Beruf arbeite, für den ich gar nicht ausgebildet bin, ob ich arbeiten muss oder möchte,…. Es geht darum, wie Eltern es schaffen, Kinder und Job unter einen Hut zu bringen und dabei GLÜCKLICH zu sein.

Unser erstes Interview haben wir mit Suhair Zeidan gemacht. Sie ist 1994, nachdem sie in Jordanien Abitur und eine Ausbildung gemacht hatte, zum Studieren nach Deutschland gekommen. Während des Studiums hat sie geheiratet, vier Kinder bekommen und sich dann für mehr Zeit mit den Kindern und gegen das Studium entschieden. 2009 scheiterte die Ehe und Suhair Zeidan stand ohne eine in Deutschland anerkannte Ausbildung und mit vier Kindern alleine da. Im September 2012 hat sie dann die Möglichkeit gehabt, bei der Firma Merck in Darmstadt eine Ausbildung in Teilzeit zu beginnen. Diese hat sie im Januar 2015 erfolgreich abgeschlossen und ist von Merck übernommen worden.

Welche Herausforderungen sie zu meistern hatte und wie sie es geschafft hat, lest Ihr im Interview mit ihr. Wir hoffen, anderen Eltern damit Mut zu machen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf – auch unter teilweise schwierigen Umständen – so zu gestalten, dass Eltern und Kinder glücklich sein können.

Team KRFD: Wie haben Sie sich als kleines Mädchen vorgestellt als erwachsene Frau zu leben?

Suhair Zeidan: Als kleines Kind wollte ich gerne Ärztin werden, ich habe mich natürlich auch als Mutter und Ehefrau gesehen. Als Kind betrachtet man nur oberflächlich die Welt. Man weiß nicht, was auf einen als Erwachsener noch zukommt.

Team KRFD: Und wie leben Sie heute? Wie sieht Ihr Leben mit Familie und Beruf aus?

Suhair Zeidan: Heute bin ich eine alleinstehende Mutter von vier Kindern und arbeite in Teilzeit als Kauffrau für Bürokommunikation.

Team KRFD: Wie wurde „Vereinbarkeit“ von Familie und Beruf in Ihrer Ursprungsfamilie gelebt?

Suhair Zeidan: In meiner Ursprungsfamilie hat mein Vater für unser tägliches Brot gesorgt. Er war Schulrektor von Beruf. Meine Mutter war zuhause. Sie hatte mit uns 9 Kindern ganz viel zu organisieren.

Team KRFD: Beschreiben Sie mal einen besonders schönen, gelungenen Tag von Ihnen!

Suhair Zeidan: Ich kann mich an meine mündliche Abschlussprüfung meiner Berufsausbildung erinnern: ich bin dahin gefahren voller Panik und ganz viel Angst, denn ich wollte gerne sehr gut bestehen. Zum Glück habe ich diese Prüfung mit 100% geschafft Ich war glücklich wie nie! Ich hatte endlich meine Ausbildung erfolgreich beenden können! Ein schöner Tag ist, wenn alle gesund sind, wenn ich einfach alle meine Aufgaben auf der Arbeit reibungslos erledige, nach der Arbeit keine Arzt- oder Schultermine habe, zuhause koche für die Familie. Und wenn es von den Kindern nur gute Nachrichten über deren Alltag zu hören gibt, dann bin ich wirklich glücklich und zufrieden.

Team KRFD: Und wie sieht ein Chaostag, ein schrecklicher Tag aus?

Suhair Zeidan: Ein Chaostag fängt meistens morgens an, wenn es bei den Kindern vor der Schule schon Verzögerungen gib. Wenn ich nach der Arbeit noch 2 bis 3 Termine habe. Und dann dringend noch schnell was einkaufen muss… An solchen Tagen hole ich uns meistens einen Döner von dem Laden um die Ecke.

Team KRFD: Was würde Ihr Umfeld (Ex-Mann, Partner, Freundin, Kollege) mir antworten, wie es Ihnen gelingt Familie und Beruf zu leben?

Suhair Zeidan: Ich würde sagen, sehr gut!

Team KRFD: Was würden Ihre Kinder darauf antworten?

Suhair Zeidan: Ich kann mir vorstellen, dass sie „prima“ sagen würden, aber sich bestimmt auch beschweren, dass ich ab und zu mal genervt bin.

Team KRFD: Und Sie selber?

Suhair Zeidan: Ich persönlich finde es ok. Ich habe eine ¾ Stelle. So kann ich nach der Arbeit noch vieles erledigen. Dafür muss ich zusehen, dass ich am Wochenende etwas für mein Wohlbefinden und meine Familie machen kann.

Team KRFD: Wer hat Sie auf Ihrem Weg als berufstätige Mutter unterstützt und „gut getan“? Wie hat er / sie das gemacht? Was hat Ihnen geholfen?

Suhair Zeidan: Ich habe der „Baff Frauen Kooperation“ vieles zu verdanken. Das ist eine Organisation, die sich um Alleinerziehenden Elternteile kümmert und sie berät.

Meine damalige Betreuerin hat mir sehr geholfen. Sie hat mir oft die Power, die in mir steckt, gezeigt! Sie hat mich bei der Jobsuche und bei den Bewerbungen unterstützt.

Durch ein Arbeitgeberfrühstück mit „Baff“ hat mein jetziger Arbeitgeber die Situation von Alleinerziehenden Frauen kennengelernt und sich daraufhin bereit erklärt, einer Frau von „Baff“ einen Ausbildungsplatz anzubieten. So haben sich fünf Frauen beworben und haben an dem Einstellungstest teilgenommen. Es wurden zwei Frauen am Ende zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ich kann mit viel Freude, Stolz und Glück sagen, dass ich die erste Frau bin, die die Ausbildung bei dieser Firma in Teilzeit gemacht hat.

Ich habe natürlich meiner Familie (obwohl sie nicht in Deutschland lebt) viel zu verdanken. Denn sie haben an mich geglaubt und mich moralisch sehr unterstützt. Meine Kinder waren sehr stolz auf mich, meine lieben Kinder. Besonders meine beiden lieben Töchter haben oft im Haushalt geholfen, so dass ich für meine Prüfungen lernen konnte.

Team KRFD: Was war / ist für Sie die größte Herausforderungen?

Suhair Zeidan: Um ehrlich zu sein, meine größte Herausforderung war die im Alter entwickelte Prüfungsangst!! Ich hatte Angst wie noch nie! Vor Präsentationen, vor Abschlussprüfungen,… Diese Angst hat mich vorangetrieben, besser zu lernen, mich besser vorzubereiten. Am Ende habe ich meine Ausbildung verkürzt (von 3 auf 2 1/2 Jahren) und mit der Note 2 bestanden. Es gab manchmal Zeitkonflikte, morgens wegen meiner Berufsschule und der Schule meiner Kinder. Da war mein Arbeitgeber zum Glück so großzügig, so dass dieses Problem auch gelöst werden konnte.

Team KRFD: Mit welchen persönlichen Stärken haben Sie sich selbst geholfen? Was an Ihrer Persönlichkeit macht Ihren Weg lebbar? Warum passt Ihr Weg zu Ihnen?

Suhair Zeidan: Der starke Wille, meine Auffassungsgabe, viel Geduld und meine Offenheit haben mir auf meinem Weg zum Erfolg geholfen. Ich glaube, durch diesen Weg, sind meine beruflichen Wünsche erfüllt worden! Ich sehe mich eher als Mutter, die in Teilzeit arbeitet und nicht als Angestellte, die nebenbei Kinder hat.

Team KRFD: Was würden Sie „unseren Töchtern“ und „unseren Söhnen“ raten?

Suhair Zeidan: Ich bin sehr davon überzeugt, dass eine gescheite Ausbildung das A und O ist, um aus sich etwas zu machen. Zwar klappt es bei manchen Menschen, sich ohne Ausbildung beruflich zu entwickeln, oft klappt das aber nicht. Für unsere Töchter gebe ich immer den Rat meiner besten Freundin Karin weiter: „Selbst ist die Frau!!!“

Das Interview mit Suhair Zeidan führten Dr. Nina Paulic und Daniela Nagel im März 2016.

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