Interview zu den gestiegenen Energiepreisen mit Herrn Sven Iwersen

Interview mit Herrn Sven Iwersen, Vorstand bei Contigo Energie AG

KRFD: Sehr geehrter Herr Iwersen, können Sie bitte kurz die Lage am Energiemarkt einordnen?

Iwersen: Für alle Marktteilnehmer ist die aktuelle Lage am Energiemarkt etwas Neues, etwas noch nie Dagewesenes. Die Preise sind am Großhandel dermaßen stark gestiegen, dass es für viele Kunden (Geschäfts- und auch Privatkunden) wirklich existenzbedrohend ist. Viele Firmen verlagern Ihre Produktion bereits ins Ausland, da die Energiepreise in Deutschland im Europäischen Vergleich am teuersten sind. Grundsätzlich kann sich jeder klar machen, dass die Klimadiskussion („Klimaneutralität“), die Energiewende, der Atom- und Kohleausstieg, die hohen CO2-Emissionskosten dazu führen müssen, dass die Energie teurer werden muss. Aber in der jetzigen Zeit, auch gerade Ende letzten Jahres, kommen noch einige Sondereffekte hinzu, die den Marktpreis in entsprechende Höhen katapultiert haben: die hohe Nachfrage am Markt und die Ressourcenknappheit, insbesondere auf dem Gasmarkt (niedrige Speicherstände, noch keine Freigabe für NorthStream2), gepaart mit der angespannten Lage um mögliche kriegerische Auseinandersetzungen in der Ukraine führen zu extrem hohen Preisen.

KRFD: Was sind gegenwärtigen die durchschnittlichen Referenzpreise für Strom und Gas?

Iwersen: Man kann sagen, dass die Großhandelspreise (beim Strom und beim Gas) um das 4- bis 5-fache gegenüber dem „Vor-Corona-Niveau“ angestiegen sind. Diese hohen Beschaffungskosten machen vielen Versorgern das Leben schwer. Das spiegelt sich natürlich auch in den Verbraucherpreisen wieder. Zudem ist festzustellen, dass viele Lieferanten Ihre Vertriebsaktivitäten eingestellt, zumindest aber mal aufs Eis gelegt haben. Die Tarife der lokalen Versorger sind ganz unterschiedlich, daher lässt sich ein durchschnittlicher Referenzpreis nur schwer benennen. Aber es ist auf jeden Fall anzuraten, bei seinem lokalen Versorger (Stadtwerk) seinen Tarif zu überprüfen. Oftmals hat der eigene Versorger günstigere Tarife im Programm, die aber nicht freiwillig bzw. von sich aus gewährt werden. Daher ist ein Anruf und eine Umtarifierung unbedingt zu empfehlen und meistens auch durch einen Anruf im Servicecenter schnell erledigt.

KRFD: Warum trifft es die Verbraucher, die mit Gas heizen, besonders hart? 

Iwersen: Das Angebot ist schlichtweg gegenüber der Nachfrage zu niedrig. Das treibt den Preis enorm in die Höhe. Wenn Russland nicht bereit ist mehr Gas zu liefern, dann ist man auf andere Lieferungen angewiesen, z.B. LNG (also Flüssiggas, z.B. aus USA). Aber hier liegt alleine der Gestehungspreis um einiges höher. Außerdem sind viele LNG-Tanker zur Lieferung in den asiatischen Raum gefahren, da die Chinesen lange Zeit sehr viel LNG für hohe Preise abgenommen haben. Es wird von großer Bedeutung sein, ob man es schafft, dass diesen Sommer die Gasspeicher wieder befüllt werden, was ohne russische Gaslieferungen nicht einfach werden wird.

KRFD: Was müsste die Bundesregierung Ihrer Meinung nach jetzt tun? 

Iwersen: Zwei Dinge: 1. die Diplomatie in Richtung Russland scheint zu greifen. Es muss alles daran gesetzt werden, dass sich die politische Lage wieder stabilisiert. Dann ist Russland auch bereit wieder mehr Mengen nach Europa zu liefern (auch Russland ist auf die Lieferung angewiesen, da die Erlöse ein wichtiger Teil des russischen Haushalts darstellen). Die rechtlichen Grundlagen hinsichtlich der neuen Ostsee-Pipeline Northstream2 müssen kurzfristig geklärt werden, damit die Pipeline in Betrieb gehen kann.  2. Für Verbraucher sollte schnell eine Deckelung der Tarife vorgegeben werden, mindestens aber die hohen Stromnebenkosten müssen regulativ gesenkt werden (z.B. EEG-Umlage, KWKG-Umlage, Stromsteuer, etc.)  

KRFD: Ihre Prognose? Wie wird es weitergehen?

Iwersen: Ich hoffe, dass die Entspannung in der Ukraine den Großhandelspreis wieder sinken lässt. Das Preisniveau, welches wir noch vor einem Jahr hatten, wird allerdings so nicht zurückkehren. Ich gehe davon aus, dass sich die hohen Preise (insbesondere beim Gas) noch 1 bis 1,5 Jahre hinziehen werden. Eine wirkliche Entspannung wird erst im Frühjahr/Sommer 2023 einsetzen.

Herr Iwersen, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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