Bertelsmann-Studie: Die Rentenversicherung bestraft Familien

Pressemitteilung zur Bertelsmann-Studie: Die Rentenversicherung bestraft Familien

Mönchengladbach, den 17.01.2014. Durchschnittlich 77.000 Euro zahlt ein heute 13-Jähriger während seines Erwerbslebens in die Rentenkasse mehr ein, als er selbst an Rente beziehen wird. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung mit dem Titel „Familien in der gesetzlichen Rentenversicherung: Das Umlageverfahren auf dem Prüfstand“. Ihr Verfasser Prof. Dr. Martin Werding bezeichnet das heutige gesetzliche Rentensystem als „nicht familiengerecht“. Mit der Gründung einer Familie sowie mit der Erziehung und Ausbildung von Kindern ermöglichen Eltern die Einzahlung in die Rentenkasse von morgen. Allerdings wird diese Leistung für die Zukunft der Gesellschaft Erziehenden bei ihren eigenen Rentenansprüchen nicht angerechnet. Weder erhöht sich ihre Rente noch werden ihre Rentenbeiträge gemindert.

„Diese Studie weist nach, dass Eltern durch das derzeitige System der gesetzlichen Rentenversicherung systematisch benachteiligt werden. Ihre Erziehungsleistung wird nicht anerkannt“, so Dr. Elisabeth Müller vom Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V. „Faktisch wird vom Rentensystem bestraft, wer sich für Kinder entscheidet und damit einen Beitrag für die Zukunft unserer Gesellschaft leistet. Das ist ungerecht und kurzsichtig“, so Müller. „Die Bertelsmann–Studie betont zudem die immense Leistung, die gerade kinderreiche Familien für die Zukunft unserer Gesellschaft erbringen“, macht Müller deutlich. Doch diese Leistung werde vom jetzigen Rentensystem nahezu übersehen. Deswegen sei es „höchste Zeit, dass unser Rentensystem Familie absichert und ihr nicht den Boden entzieht“. Eine gezielte Entlastung von Familien und eine garantierte Absicherung von Erziehenden im Alter sei „keine Großzügigkeit, sondern eine Investition in die Zukunft“, fasst Müller zusammen.

Die Bertelsmann-Studie hebt hervor, dass Kinder in ihrem späteren Erwerbsleben die Alterssicherung ihrer Eltern und die der Kinderlosen finanzieren. Obwohl sie das umlagefinanzierte Rentensystem aufrechterhalten, werden Familien während des Aufwachsens ihrer Kinder überproportional belastet. Über ihre Rentenbeiträge finanzieren sie die Generation ihrer Eltern und sie ermöglichen durch Zeit, Energie und Geld ihren Kindern den Start ins Leben. Ferner sind Eltern kinderreicher Familien durch die Kindererziehung häufig über Jahre vermindert oder gar nicht erwerbstätig. Dann sind sie nicht nur finanziell eingeschränkt, sondern sie können auch weniger Rentenpunkte sammeln. Mit den 156 steuerfinanzierten familienpolitischen Maßnahmen und Bildungsangeboten werden die Kosten, die Familien schultern, nur zu einem geringen Teil abgefedert. Nach Abzug dieser solidarisch aufgebrachten Leistungen würde das besagte 13-jährige Kind immer noch 50.500 Euro Zuschuss in die Rentenkasse einzahlen.

Der Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V. fordert deshalb Politiker aller Parteien auf, die von Prof. Dr. Martin Werding im Rahmen der Studie eingebrachten Lösungsvorschläge zu prüfen. „Die große Koalition und die klaren Mehrheitsverhältnisse im Parlament würden es ermöglichen, das Rentensystem zu reformieren und es für Familien gerecht zu gestalten“, so Müller. „Es besteht akuter Handlungsbedarf.“

Die genannte Studie „Familien in der gesetzlichen Rentenversicherung: Das Umlageverfahren auf dem Prüfstand“ von Prof. Dr. Martin Werding finden Sie hier.

Das Youtube-Video der Bertelsmann Stiftung zu diesem Sachverhalt mit dem Titel „Rentensysteme unter Druck“ finden Sie hier: http://youtu.be/h5d6GeUT_TM

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