Zweiten Bildungsweg stärken und Bildungschancen sichern
PRESSEMITTEILUNG
Zweiten Bildungsweg stärken und Bildungschancen sichern
Mönchengladbach, den 08.03.2026. Zum Weltfrauentag appelliert der Verband an die Bundesländer, den Zweiten Bildungsweg über staatliche Kollegs und Abendschulen für Menschen mit Familien- und Pflegeverantwortung langfristig und flächendeckend zu sichern. Bildungsgerechtigkeit darf weder vom Lebensalter noch von familiären Betreuungspflichten oder dem Einkommen abhängen.
Viele Frauen unterbrechen ihre Bildungsbiografie aufgrund von Schwangerschaft, früher Familiengründung oder intensiver Care-Arbeit. Jahre später entsteht häufig der Wunsch, einen höheren Schulabschluss nachzuholen, sei es z. B. für beruflichen Aufstieg, finanzielle Unabhängigkeit oder eine bessere Altersvorsorge. „Die Motive sind vielfältig, doch der Bedarf ist eindeutig“, sagt Annika Kröller, Projektkoordinatorin des MACHbar-Projekts im Verband, das Eltern beim Wiedereinstieg nach der Familienphase begleitet.
Für diese Frauen ist der Zweite Bildungsweg oft die einzige realistische Chance auf einen formalen Abschluss. Entscheidend ist dabei die konkrete Ausgestaltung: Tageskollegs ermöglichen es, Unterricht in die regulären Betreuungszeiten von Kita und Schule zu integrieren. Das ist eine zentrale Voraussetzung insbesondere für Alleinerziehende oder Familien mit Schichtarbeit. Abendgymnasien sind dort unverzichtbar, wo Teilzeit oder Erwerbstätigkeit tagsüber nicht reduziert werden können. „Beide Modelle erfüllen unterschiedliche, aber gleichwertige Funktionen. Wahlfreiheit ist daher keine Komfortfrage, sondern Bedingung echter Chancengleichheit. Fällt eine der beiden Säulen weg, werden bestimmte Familien faktisch ausgeschlossen“, so Kröller.
Ebenso zentral ist die staatliche Verantwortung. Der Zweite Bildungsweg muss schulgeldfrei bleiben. Nach Jahren der Familienphase verfügen viele Eltern nicht über finanzielle Rücklagen; private Angebote sind insbesondere für Mehrkindfamilien oder Teilzeiterwerbstätige oft nicht tragbar.
Familienkompatible und finanziell abgesicherte Bildungsangebote schaffen reale Aufstiegschancen. Eltern stärken ihr Selbstvertrauen und ihre Erwerbsperspektiven, Familien gewinnen wirtschaftliche Stabilität und Kinder erleben Bildung als lebenslangen Prozess. „Der Zweite Bildungsweg ist ein zentrales Instrument moderner Gleichstellungspolitik. Investitionen in staatliche Kollegs und Abendgymnasien sind Investitionen in Fachkräftesicherung, soziale Gerechtigkeit und stabile Familienstrukturen. Wer Bildungschancen im Erwachsenenalter stärkt, fördert generationenübergreifend gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Stabilität“, so Kröller.
Über den Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V.
Der Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V. (KRFD) ist im Jahr 2011 aus der Initiative engagierter kinderreicher Familien entstanden; vertritt 1,6 Millionen Mehrkindfamilien in Deutschland und setzt sich in Politik, Wirtschaft und Medien für ihre Interessen ein. Der Verband versteht sich als Netzwerk von Mehrkindfamilien, die sich untereinander unterstützen und die Öffentlichkeit für ihre Anliegen erreichen wollen. Der Verband ist konfessionell ungebunden und überparteilich.
Pressekontakt
Dr. Laura Schlichting
Referentin des Bundesvorstandes
Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V.
Korschenbroicher Str. 83
41065 Mönchengladbach
presse@kinderreiche-familien.de
https://www.kinderreichefamilien.de/willkommen
Instagram: kinderreichefamilien