Teilhabe darf nicht an Bürokratie scheitern – Verband fordert Öffnung des BuT-Pakets ab dem 3. Kind
PRESSEMITTEILUNG
Teilhabe darf nicht an Bürokratie scheitern – Verband fordert Öffnung des BuT-Pakets ab dem 3. Kind
Mönchengladbach, den 21.07.2026.
Mehr als acht von zehn anspruchsberechtigten Kindern und Jugendlichen erhalten den monatlichen Teilhabebetrag von 15 Euro nicht. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zum Bildungs- und Teilhabepaket (BuT). Der Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V. (KRFD) sieht darin ein deutliches Signal: Das BuT erreicht die Kinder nicht, für die es gemacht wurde. Außerdem fehlen kinderreiche Familien in der Statistik. Die Studie benennt eine Lücke, die der KRFD seit Langem kritisiert: Für Kinder aus Familien, die Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, ist mangels Daten nicht bekannt, wie viele von ihnen BuT-Leistungen erhalten. Kinder aus Familien mit drei und mehr Kindern tragen ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko.
„Fünfzehn Jahre nach Einführung des Bildungs- und Teilhabepakets wissen wir nicht offiziell, ob es bei kinderreichen Familien ankommt. Teilhabe darf keine Fleißaufgabe für Eltern sein, die sich durch Formulare kämpfen“, sagt Dr. Elisabeth Müller, Bundesvorsitzende des KRFD. Die Beratungspraxis des Verbands zeigt zugleich: Gerade Familien mit mehreren Kindern rufen die Mittel für Freizeit und Teilhabe ab, eben weil sich der Betrag mit jedem Kind potenziert. Es macht einen Unterschied, ob im Monat 15 Euro bei einem Kind oder 45 Euro bei drei Kindern fehlen. „Gerade Familien mit mehreren Kindern müssen für jedes Kind einzeln Anträge stellen, Nachweise erbringen und Fristen im Blick behalten. Der bürokratische Aufwand vervielfacht sich mit jedem Kind. Die Wahrscheinlichkeit, dass Leistungen ankommen, sinkt.“
Der KRFD fordert deshalb:
- Datenerhebung mit Blick auf kinderreiche Familien: Die vorgeschlagene bundesweit einheitliche BuT-Statistik muss verbindlich nach Kinderzahl der Familien aufgeschlüsselt werden, und zwar über alle zuständigen Behörden und Leistungssysteme hinweg, einschließlich Wohngeld und Kinderzuschlag.
- Öffnung des BuT für Familien ab dem dritten Kind: Die Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets sollen für das dritte und jedes weitere Kind allen kinderreichen Familien offenstehen, unabhängig davon, ob die Familie eine Sozialleistung bezieht. Der Staat übernimmt für diese Kinder die Kosten für Teilhabe, Schulbedarf und Mittagessen: unbürokratisch, gebündelt und ohne gesonderten Antrag.
Die Öffnung ab dem dritten Kind ist dabei sachlich begründet: die Mehrkosten im Bildungsbereich könnten so abgefedert werden. Mit jedem Kind steigen die Ausgaben für Vereinsbeiträge, Sportausrüstung, Musikunterricht, Ausflüge und Klassenfahrten. Das Haushaltseinkommen wächst jedoch nicht mit, zumal Eltern in Mehrkindfamilien ihre Erwerbsarbeit häufig zugunsten der Familie einschränken. Was für kleinere Familien eine überschaubare Ausgabe ist, summiert sich bei drei, vier oder fünf Kindern schnell zu Beträgen, die Teilhabe zur Frage des Geldbeutels machen. Eine Öffnung des BuT ab dem dritten Kind wäre daher mehr als eine finanzielle Entlastung: Sie wäre ein sichtbares Zeichen der Anerkennung für Familien. Denn jedes Kind leistet einen Beitrag zur Zukunft aller.
Ausdrücklich unterstützt der KRFD die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung, Leistungen möglichst automatisch auszuzahlen, Zuständigkeiten zu bündeln und den Teilhabebetrag am tatsächlichen Bedarf von Kindern und Jugendlichen auszurichten. Denn 15 Euro im Monat reichen zwar für den Beitrag im Fußballverein, nicht aber für den Musikunterricht, Schwimmkurs oder eine Ferienfreizeit. In kinderreichen Familien potenziert sich diese Lücke.
Informationen zur Bertelsmannstiftung und ausführliches Factsheet
Über den Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V.
Der Verband kinderreicher Familien Deutschland e.V. (KRFD) ist im Jahr 2011 aus der Initiative engagierter kinderreicher Familien entstanden; vertritt 1,6 Millionen Mehrkindfamilien in Deutschland und setzt sich in Politik, Wirtschaft und Medien für ihre Interessen ein. Der Verband versteht sich als Netzwerk von Mehrkindfamilien, die sich untereinander unterstützen und die Öffentlichkeit für ihre Anliegen erreichen wollen. Der Verband ist konfessionell ungebunden und überparteilich.
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Referentin des Bundesvorstandes
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